Adolf-Reichwein-Schule Langen (Hessen) • Kreis Offenbach

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Neues aus dem Schulleben

Das Projekt Stolpersteine für die Familie Reis aus Egelsbach

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts erforschen die Klassen 10a R und 10b G mit ihren Geschichtslehrerinnen Frau Stephanie Hartmann, Frau Pinar Cevik und Frau Ruth Anderson den Lebensweg der jüdischen Familie Reis.

Es handelt sich hierbei um Herrn Gustav Reis, geb. 18.7.1881 in Langendiebach und seine Ehefrau Johanna, geb. Oppenheimer, geb. 10.2.1882 in Pfaffen-Beerfurth (Odenwald) deren gemeinsame TochterFrau Erna Reis, geb. 8.7.1905 in Pfaffen-Beerfurth, und ihren Sohn Theodor., geb. 19.3.1928 in Egelsbach.

Die Familie wohnte bis 1928 in unserer Nachbargemeinde Egelsbach, Woogstr. 5, Gustav Reis führte u.a. unter dieser Adresse ein Geschäft. Die Familie verließ im Mai 1928 Egelsbach und zog nach Wollenberg in Baden- Württemberg. In der sogenannten „Wagner-Bürckel-Aktion“ am 21./22. Oktober 1940 wurde die Familie Reis mit ca. 6500 anderen badischen und saarpfälzischen Menschen jüdischen Glaubens in das Internierungslager Gurs in Frankreich deportiert. Gustav, Johanna und Erna Reis wurden letztendlich 1942 über das Sammellager Drancy bei Paris nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Theodor Reis konnte von einer französisch-jüdischen Kinderhilfsorganisation u.a. in einem Kinderheim in Izieu versteckt werden; nach dem deutschen Einmarsch wurden die 44 Kinder und ihre sieben Betreuer auf Befehl des Gestapochefs von Lyon Klaus Barbie im April 1944 deportiert. Während die Mehrzahl der Kinder nach Auschwitz verschleppt wurde, wurde der 16-jährige Theodor Reis bei einer Massenerschießung entweder in Kovno (Litauen) oder in Reval (Estland) ermordet.

Reinhard Mey hat den Kindern von Izieu musikalisch ein Denkmal gesetzt, „Theodore, der den Hühnern und Küh'n das Futter bringt“ ist in der Tat Theodor Reis aus Egelsbach. Frau Hartmann hat bei dem Musikverlag des Künstlers angefragt und die Erlaubnis erhalten, das Lied zu verwenden.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten u.a. mit Informationen und Kopien von Originaldokumenten, die uns von Archiven, Behörden, Initiativen und Einzelpersonen zur Verfügung gestellt wurden. Im Einzelnen sind dies zurzeit:

• das Gemeindearchiv Egelsbach (Herr Kaiser und Herr Vollhardt)

• das Amtsgericht Sinsheim

• der Geschichtsverein Erlensee (Frau Borngäber)

• das Hessische Hauptstaatsarchiv (Herr Haberkorn)

• das Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Herr Dr. Ernst)

• die Gedenkstätte Izieu in Frankreich

• Herr Paul Niedermann, Frankreich, der beste Freund von Theodor Reis

• Herr und Frau Beate und Serge Klarsfeld, Frankreich

• Frau Doris Metzger vom Denkendorfer Kreis

• Herr Dr. Joachim Hahn, Alemannia Judaica, Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum

Begleitet wird das Projekt von Frau Monica Kingreen vom Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt.

Eine Begegnung unserer Schülerinnen und Schüler mit Herrn Paul Niedermann wird voraussichtlich Anfang Juni stattfinden. Es ist uns gelungen, die Adresse einer Verwandten der Familie Reis ausfindig zu machen, sie lebt in Israel und unser erster Brief an sie ist zurzeit in Arbeit.

Unser Ziel ist es, die Erinnerung an die Gemordeten wachzuhalten und unsere Schülerinnen und Schüler zu denkenden, mutigen und engagierten Menschen auszubilden, die sich für andere Menschen einsetzen und entschieden gegen Rassismus jeder Art eintreten.

Wir setzen uns dafür ein, dass am Ende unseres Projektes in Egelsbach, Woogstr. 5 für die Familie Reis "Stolpersteine" verlegt werden. Gunter Demnig, ein deutscher Künstler, verlegt seit Jahren diese Steine vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur. Wer die Inschriften lesen will, muss sich bücken und verbeugt sich damit symbolisch. Das Geld für die Stolpersteine werden unsere Schülerinnen und Schüler in unserer Schule und in Egelsbach sammeln.

Das Projekt wurde angeregt von Frau Gaby Melk von der Stolperstein-Initiative Egelsbach. Aufgrund ihrer E-Mail an die Schulleitung der Adolf-Reichwein-Schule fand Anfang März 2009 eine Fachkonferenz Geschichte statt, in der Frau Melk das Projekt vorstellte und die Geschichtslehrer und –lehrerinnen das Vorhaben einstimmig unterstützten.